winter 2017/18 oder elegie auf den schwindenden schnee

ein gefühl von bedauern, dass es nicht weiterging 
ach hätten wir doch! hätten wir nur!
blöder konjunktiv verpasster gelegenheiten
wir haben nicht. punkt. indikativ.
jetzt ist unsere zeit vorbei & das jahr ging zuende
ein vogel starb, ich ließ ihn sterben
eine trauer bettelte um einlass, ich wies sie ab
graue wolken hängen über der stadt
ein himmel aus blauer polarluft
entließ weißliche flocken auf dächer, straßen, bäume, autos
war mehr regen als schnee: schneeregen,   
als wüsste die natur nicht mehr, wie das geht: schnee
aber die schlechte luft in unserer stadt
wurde sauber, atembar – für eine weile…
wolken aus stickoxiden/ feinstaub/ dieselruß 
verschwanden aus bodennähe in gullys
schwefligeschwefel&salpetersäure in tröpfchen
fluten unsere lungen & innenstädte
wintersmog london-smog sommersmog los-angeles-smog
peking-smog fumigation dauerbegasung
einst ließ saurer regen wälder sterben
jetzt knöpft er sich uns menschen vor
(neue) gaswagen pflügen durch innenstädte,
verbrennungsmotorgetriebene suvs  
maniulierte großautos manipulierter großhirne manipulierter großer egos
als kind liebte ich das märchen von der schneekönigin,
liebte pulvrigen, festen schnee, 
der unter den schuhen knirschte, wenn kind drauf trat
eine königin im weißen pelz
breitete vor staunenden kinderaugen
den winter auf tannen, fichten, engelstrompetenbäumen aus  
das ganze land im hermelin – mindestens 20 cm dick! 
jetzt fällt in unseren breiten - 51° nord - kaum noch schnee
und wenn, schmilzt er schnell wieder weg
la reine des neiges trägt kaum mehr königsmantel
graunasser schnee zu weihnachten - dünn, kraftlos
wie die spermien der männer seit einiger zeit,  
aber das kind in mir każelt noch fröhlich hügelhänge hinunter 
- in der fantasie, die berge im januar sind schneelos
winter wird regenzeit - schneeregenzeit
all die nachkommenden kinder
kennen es nicht mehr anders
nur die schlitten warten noch in garagen, kellern, auf dachböden
heißgeliebte rodelgeräte rosebud
als ich ein kind war...
vor freude kreischend sausten wir hügelhänge hinunter
jetzt ringen wir keuchend nach atem
stadluft macht nicht mehr frei, sie vergiftet
kohle-/(schwer)öl-/gas-/diesel-/benzindauerverbrenner
füllen die straßen
neue unmündigkeit macht sich breit 
glaube grassiert wieder & vertrauen (er)zeugt betrug
wer läuft noch, wenn alle fahren?
wer rettet uns aus selbstverschuldeter zwangsläufigkeit?
wer rettet den schnee?

 

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